Sep 05 28

Brandt-Racing lud zum letzten Event dieses Jahr, und viele Rennsport-Jünger waren hörig. Bereits die Wetterprognose für das zurückliegende Wochenende ließ nur gutes ahnen und wurde bestätigt: 21°C bei strahlendem Sonnenschein.

Boxengasse

Das Mopped wurde Donnerstag so auf den Anhänger verfrachtet, wie ich es noch im August in die Garage geschoben hatte – nicht mal eine Kettenschmierung hatte ich geschafft. Egal. Was mir schon eher Sorgen bereitete, war die Tatsache, dass ich keinen Reifensatz mehr auf Lager hatte, der Supercorsa (Straßenzulassung) hatte schon einen Renntag auf dem Buckel. Noch 3 davon sind nicht drin. Aber vielleicht hat die Truppe von Andreas (Brandt) ja was passendes dabei. Schließlich hatte ich noch im Mai einen angefahrenen SC2 fast geschenkt bekommen, der auch noch für 3 Tage gut war. Prinzip Hoffnung.

Vor Ort eine nette Überraschung: Freunde hatten es geschafft, so rechtzeitig anzureisen, dass sie einen Stellplatz direkt an der Boxengasse ergattern konnten. Ich selbst habe die Hoffnung bald aufgegeben, mal deutlich früher als 22 Uhr anzukommen. Gut dass man Freunde hat, die einem einen Platz freihalten.

Freitag stand entgegen anfänglichen Befürchtungen doch Fahren in Gruppen anstatt freies Fahren auf dem Plan. Das ist besser und sicherer für alle Beteiligten. Meine Zeiten lagen knapp über denen des Vormonats, damit hätte ich eigentlich leben können, wenn in meinem Kopf nicht noch die Gedanken um eine Teilnahme am Sprintrennen herumspuken würden. Entscheidung vertagt.

Nächsten Morgen dann erste Zeiten unter 1:50 min. Zu allem Überfluss musste ich meinem Kumpel Egon dabei zuschauen, wie er vor Start/Ziel den Notausgang wählte – die Teilnahme am Langstreckenrennen, welches für Sonntag angesetzt war, schien in weite Ferne zu rücken. Außer geprellte Rippen nichts ernstes, aber ohne fremde Hilfe war sein Bike nicht flott zu kriegen. Glücklicherweise konnte Arndt “Jägermeister” Beuchel mit einem Gasbowdenzug aushelfen (vielleicht hat er sich auch nur erinnert, dass ich ihm am Vortag meinen Inbus für die LSL-Stummel geliehen hatte ;) )

Da unser Langstreckenstart zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich gesichert schien, entschloss ich mich kurzerhand, doch den Sprint zu fahren, um wenigstens ein Rennen mitgefahren zu sein. Als ich die Startaufstellung zu Gesicht bekomme, werden meine Knie weich: Platz 3. Mir war klar, dass der nicht zu halten war. Aber kampflos gebe ich gar nichts her. Einführungsrunde fahren wieder alle los, als gäbe es kein morgen. Ich glaube, das machen alle nur, um Eindruck zu schinden. Bei mir zumindest wirkt’s. Vom Start im Mai wusste ich noch, dass 6000 U/min für einen schönen Wheelie, nicht aber für schnelles Vorwärtskommen gut sind. Also diesmal etwas weniger. Und sieh an, nach den ersten 50 m seh ich nur noch Arndt vor mir – ein krasses Gefühl. Doch schon im Anflug auf die erste Kurve werde ich von der Realität – oder besser der Konkurrenz eingeholt. Und wo die alles vorbeischießen. Ich stecke lieber zurück, dafür ist mir die Langstrecke zu wichtig. Einige waren gar zu optimistisch an mir vorbeigezogen, nach kurzer Zeit an deren Hinterrad merke ich: da geht noch was. Schon hatte ich mir wieder jemanden zurechtgelegt; in der zweiten Streckenhälfte bist du fällig. Auf Start/Ziel brauch ich an sowas nicht mal zu denken, trotz kurzer Übersetzung hab ich gegen das moderne Zeugs dort keine Chance. Doch beim Anbremsen der Spitzkehre wieder so ein Tier auf der Bremse innen neben mir – verdammt. Dann wedelt mir auch noch so ein hässlicher Puschel vor dem Gesicht rum, den mein Mitstreiter auf seinem Heck plaziert hat. In den Kurven komm ich jedesmal heran, aber es reicht nicht um vorbeizufahren. Ich liege auf dem achten Platz, Meter für Meter kämpft sich “Puschel” an mein ursprünglich auserkorenes Opfer heran und zeigt sich auch schon mal neben ihm. Und da passierts: sie berühren sich und reiten aus ins Grüne. NICHT hinterherschauen. Linie etwas versaut, aber ich komme vorbei. Noch zwei Runden. Mein Fahrstil ist nun nicht mehr wirklich rund – das Schauspiel vor meiner Nase hat mich etwas aus dem Konzept gebracht. Als mir dann auch noch – mal wieder – auf Start/Ziel der fünfte Gang rausknallt, muss mich doch wieder wer überholen, denke ich. Aber nix passiert. Scheine wohl etwas Luft nach hinten zu haben. Zielflagge – yippie! Weil Meister Brandt angeblich einen Frühstart hinlegte, fiel er wie jedes Mal aus der Wertung, somit war Platz 5 erreicht.

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