Den restlichen Tag fuhr ich keinen Meter mehr, war viel zu geschafft. Aber ich freute mich, dass Egon sein Bike wieder fit bekommen hatte. Zum Ende des Tages drehte er endlich wieder ein paar Runden. Die Vorfreude auf das Langstreckenrennen war groß. Mit ihr einher ging aber auch ein mulmiges Gefühl: drei Stunden sind ‘ne Menge Holz. Wir vereinbaren eine Halbstunden-Taktik mit Luft nach vorn und hinten. Soll heißen, wer sich gut fühlt, fährt länger. Wolfgang meint, gestartet wird in bester LeMans-Manier. Belieben zu scherzen? Kein Scherz. Glücklicherweise gibt’s einen Probestart, den ich dann auch gehörig versiebe. Alles klappt: Gang drin, Freundin hält das Mopped auf der gegenüberliegenden Straßenseite, ich spring drauf und will starten – nix rührt sich. Wie auch, wenn ich Depp die Zündung nicht anmache. Kann nur besser werden.
Der Start. 29 Teams haben Position bezogen. Andy kämpft mit seiner Pistole – irgendwann löst sich doch noch ein Schuss. Diesmal klappt der Start. Sogar so gut, dass ich mich vom ausgelosten Platz 19 gleich mal ordentlich nach vorn schiebe. Nach der ersten Runde auf 13, in Runde zwei bereits auf Platz 9. So kann es weitergehen. Ich werde selbst fast nie überholt, mache aber weitere Plätze gut. Dann ein schwarz-gelbes Bike vor meiner Nase: MICHA! Der Fahrer unseres zweiten Teams hatte bei der Auslosung etwas mehr Glück (Platz 8 ), aber das nutzte ihm jetzt auch nichts mehr. Ich zeigte mich mal kurz vor ihm. Vielleicht keine schlechte Idee, die ersten Runden beieinander zu bleiben und abwechselnd Führungsarbeit zu leisten. Micha schien davon nicht viel zu halten. Es dauerte nicht lange, da donnerte er mit seiner Aprilia wieder an mir vorbei und machte gleich mal ein paar Meter gut. Ab der 10. Runde etwa wird’s unübersichtlich, Überrundungen machen es mir nicht gerade leicht den Kontakt zu Micha zu behalten. Bei dem Tempo was er vorlegt, kommt er bestimmt früher rein als ich. Pustekuchen. Er macht keine Anstalten. Wenn ich nach einer halben Stunde die Box anfahre, haben wir quasi das interne Duell schon verloren. Außerdem fühle ich mich noch wunderprächtig, was die Rundenzeiten bestätigen: konstante 1:51 min bis 1:52 min, ca. 2 sek schneller als erhofft. Irgendwann lässt aber die Konzentration nach und ich strecke vernunfthalber mein Bein auf Start/Ziel raus – das Zeichen zum Wechsel. Einfahrt zur Box ist ein Schmidtchen Schleicher vor mir, aber er erinnert mich daran, dass ich anhalten muss. Diesen Zwangsstopp erledige ich schneller als er und rolle vorbei. Egon wartet schon auf den Transponder. Ich setz mich neben ihn und fliege fast auf die Schnauze, weil das Vorderrad blockiert. War viel zu sandig für Bremsen auf optimaler Betriebstemperatur. Atchen wechselt blitzschnell den Transponder und Egon fliegt davon. 45 min bin ich gefahren. Moment, wenn Egon das auch durchzieht, kommen wir mit 4 statt 6 stints aus. Die ganzen Überlegungen werden fast hinfällig, als plötzlich das Safety-car rausfährt. Zu diesem Zeitpunkt hat Egon 20 min absolviert. In der Formel 1 nutzen die Safety-Car-Phasen auch immer zum Boxenstopp, warum nicht auch wir? Und schon fliegen die ersten Fahrer ein. Ich mache mich bereit, falls Egon gleiches denkt. Macht er aber nicht, im Gegenteil: nach 50 min mache ich mir langsam Sorgen um seinen Tankinhalt. Ich hatte schonmal vorher ausgelotet, dass bei meiner Vergaser-PC35 eine Tankfüllung für ca. 55 min reicht. Egon fährt einen durstigeren Einspritzer. Er hat ein Einsehen und kommt rein. Ich habe mich gut erholt und kann optimal fortsetzen. Nur leider fehlt mir das schnelle Hinterrad von Micha, so kommt es vor, das mir rundenlang nicht ein einziges Bike begegnet. Na gut, beschäftige ich mich halt mit mir selbst: Brems- und Einlenkpunkte variieren, Asphalt lesen… die Runden werden immer flüssiger, so dass ich teilweise überlegen muss, noch einen Gang höher zu schalten. Und wie ich so unterwegs bin, merk ich mit einem Blick aufs Tacho, dass ich schon wieder 100 km abgespult habe – müssten knapp 45 min sein. Will aber noch nicht raus, die Rundenzeiten stimmen. Nur bringen würde es auch nichts, in der Box wartet Egon erholt und mit vollem Tank auf seinen Einsatz. Also Bein raus und Wechsel. Egon spult die Runden ab – hoffentlich passiert nicht noch irgendwas dummes auf den letzten Metern. Drei Stunden sind um, der Führende wird abgewunken, direkt vor ihm Wolfgang von unserem anderen Team, er muss/darf noch eine komplette Runde fahren.
Beide Teams der Spreeban.de erreichen das Ziel, mehr noch: sie belegen rundengleich Platz 5 und 7, liegen lediglich 1 min auseinander. Erfolg und Spaß auf der ganzen Linie. So ein Wochenende sollte nie zu Ende gehen.
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